Diese Worte hier, wollte ich schon sehr lange schreiben, doch fällt es mir sehr schwer sie zu formulieren. Es würde bedeuten schwarz auf weiß zu sehen, wie sehr Endometriose mein Leben doch beeinflusst, wie sehr es meine Entscheidungen prägt und es würde offenbaren, dass ich nicht so stark bin, wie es nach außen oft den Anschein hat. Diese Krankheit hat mir mehr als einmal den Boden unter den Füßen weggerissen. Und heute fange ich an, all das in diesen Worten wieder zu erleben. Das ist der erste Teil meiner Erfahrung mit Endometriose.
Bevor ich in meine persönlichen Erfahrungen beschreibe, möchte ich zuerst kurz erklären, was Endometriose ist.
Die Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und kann zu Entzündungen, Verwachsungen und Zysten im Unterbauch führen. Dadurch entstehen starke Schmerzen und es kann zur Unfruchtbarkeit kommen. Bei der Endometriose siedelt sich ein Gewebe, was der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutter, im unteren Bauchraum an. Das Gewebe kann an Eierstöcken, Eileitern, dem Darm, der Blase und weiteren Stellen im Bauchraum wachsen. Diese Ansiedlungen nennt man Endometrioseherde. Wie die Schleimhaut in der Gebärmutter, bauen sich diese Herde während eines weiblichen Zyklus immer wieder auf, doch kann das Gewebe nicht abfließen, wie es in der Gebärmutter durch die Menstruation möglich ist. Das Gewebe bleibt im Körper, heißt die Herde wachsen und es kommt, wie bereits oben erwähnt, zu Entzündungen, Verwachsungen und Zysten. Um Endometriose und das ganze Ausmaß dieser Erkrankung zu verstehen, möchte ich noch aufzählen, welche Begleiterkrankungen dazu auftreten können:
– Migräne und Kopfschmerzen
– Chronisches Beckenschmerzsyndrom
– Reizdarmsyndrom
– Chronisches Blasenschmerzensyndrom
– Depressionen
– Angststörungen
– Essstörungen
– Extreme chronische Erschöpfung – Fatigue
– Häufung von Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, Asthma, Allergien
– Hormonelle Störungen z.B. PCO-Syndrom
– u.a.
Wer mehr über diese Erkrankung wissen möchte, findet unter dem Artikel einige Informationsquellen.
Jetzt, wo klarer geworden ist, was Endometriose im Körper macht und das diese Erkrankungen nicht alleine daher kommt, möchte ich dir erzählen, wie mein Weg zur Diagnose verlief.
Seit ich denken kann habe ich Bauchschmerzen. Meine meisten Fehltage, ob in der Schule, während der Ausbildung oder bei der Arbeit, hatte ich durch Erkrankungen von Magen und Darm. Verdauungsstörungen mit starken Schmerzen sind die Hauptursache meiner Krankschreibungen. Doch hat man mich nie wirklich untersucht. Dazu kamen die Beschwerden während der Periode.
Seit Beginn meiner Periode kenne ich Unterleibsschmerzen. Trotz Pille, waren meine Zyklen mit starken Schmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung und sogar Ohnmacht sowie Kopf- und Rückenschmerzen geprägt. Ich hatte irgendwann eine Angst gegenüber meines Zyklus entwickelt. Daraufhin sollte ich die Pille durchnehmen, aber musste sie alle 3 Monate absetzen, um dann die Abbruchblutung zu bekommen (länger hat mein Körper nicht mitgemacht). Durch die Pille konnte ich diese Abbruchblutung auf die Wochenenden schieben. Diese Wochenenden waren heftig. Einmal musste ich aufgrund eines blöden Sturzes sogar mit einer Prellung zum Arzt. Dieser glaubte mir nicht und dachte ich wäre verprügelt worden. Bei einer anderen Ohnmacht musste der Notarzt gerufen werden.
Man muss dazu sagen, dass es die 2000er Jahre waren. Da war wenig über Endometriose oder Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom bekannt. Auch wurden meine Beschwerden abgetan und keine wirklichen Untersuchungen durchgeführt.
Je weiter sich die Medizin und das Internet entwickelte, desto mehr kam man selbst an Informationen. 2014 habe ich die Initiative ergriffen und einen Arzt aufgesucht, der mich komplett durchchecken sollte. Von Bluttests zu Allergietests und von Magen- und Darmspiegelung, ich ließ alles untersuchen, was möglich war. Interessanterweise waren meine Bluttests gut, auch keine wirkliche Allergie war zu erkennen. Dazu kamen die Ergebnisse von den Spiegelungen, der Magen war in Ordnung und beim Darm wurde das Reizdarmsyndrom festgestellt. Ich war so froh, dass ich endlich eine Diagnose hatte. Endlich, dachte ich zumindest, wüsste ich was mit mir nicht stimmt. Ich informierte mich über alles, ich habe sogar eine Ernährungsberatung in Anspruch genommen, um endlich wieder beschwerdefrei und mehr Lebensqualität zu bekommen.
In dieser Zeit ist auch mein erster Blog und mein erstes Buch entstanden. Ich wollte anderen Betroffenen damit helfen.
Durch die Ernährungsumstellung habe ich Fortschritte bei den Beschwerden gemacht. Ich hatte wieder mehr Mut zu reisen und mehr zu unternehmen. Dadurch baute ich nach und nach wieder mehr Vertrauen in meinen Körper auf und die Ängste, dass ich jederzeit irgendwo in Ohnmacht falle oder meine Verdauungsstörungen wieder losgehen, wurden weniger.
Die Ernährungsumstellung hat also sehr geholfen, aber mich eben auch sehr stark eingeschränkt. Es gab eine lange Liste mit Lebensmitteln, die ich meiden musste. Zu Hause ging das gut, aber unterwegs oder beim Auswärts essen, war das eine andere Nummer. Hier habe ich eine Angststörung entwickelt, dass ich aus Versehen irgendetwas essen, wovon wieder starke Beschwerden ausgelöst werden.
Tatsächlich habe ich das meiste versucht zu verstecken, nur Menschen, die mich täglich zu Gesicht bekommen haben, konnten wirklich erkennen, wie sehr mich das alles belastet hat. Ohne meine Medikamententasche bin ich nirgendwo hingegangen. Auch konnte ich das Haus nicht verlassen ohne, dass ich sicherheitshalber noch 2 Mal auf Toilette ging.
Gerade in stressigen Situationen waren die Symptome so viel schlimmer. Die Angst hat stark meine Psyche beeinflusst und so habe ich mich noch mehr hineingesteigert.
Mit 28 habe ich dann die Pille abgesetzt, in der Hoffnung, eventuelle Beschwerden und Nebenwirkungen zu verringern. Mit dem absetzen hat sich tatsächlich nach einigen Jahren etwas verbessert aber innerlich auch einiges verschlechtert.
Es folgten leider mehr und mehr Schmerzen, die ich vorher nicht hatte. Solche Schmerzen, dass ich auch ab und zu in der Notaufnahme landete. Dort konnte mir meistens niemand helfen. Ich wurde untersucht, bekam Schmerzmittel intravenös und wurde wieder nach Hause geschickt. Meistens mit der Aussage, es wäre psychosomatisch und würde vom Reizdarmsyndrom kommen. Doch ich wusste, dass das nicht stimmen kann. Die Schmerzen und das Gefühl im Körper waren anders. Nur erkläre das mal Menschen, die dich nicht kennen und keine Ahnung haben, wovon du redest. Ich war sehr verzweifelt. Mein Hausarzt hat mir eine Therapie empfohlen. Und ich dachte, das würde sicher nicht schaden. Also bin ich 2017 zur Therapie um meine psychosomatischen Beschwerden zu behandeln.
Letztendlich fand ich die Therapie tatsächlich gut, ich bin gerne hingegangen und habe mir alles von der Seele geredet. Ich habe einen Umgang gefunden mit mir und meinen Symptomen. Ich kann jedem empfehlen eine Therapie zu machen. An meinen Beschwerden hat die Therapie nichts geändert, aber immerhin habe ich einen besseren und mutigeren Umgang mit meinem Körper gefunden.
Dann kam der Sommer 2019, der alles verändert hat. Was im Sommer 2019 passiert ist, kannst du im 2. Artikel dazu lesen.
Ich wünsche dir einen schönen Tag
von Herz zu Herz
Sandra
Informationsquellen:
https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose/
https://www.endometriose-vereinigung.de/begleiterkrankungen/