Endometriose – Die Operation und das Trauma

Im Sommer 2019 wurde bei mir nach einer Vorsorgeuntersuchung eine Zyste am Eierstock festgestellt. Meine damalige Ärztin meinte beim Sichten sofort, dass es sich um eine Schokoladenzyste handelt und diese wahrscheinlich schon zu groß ist für eine medikamentöse Behandlung. Während dieser Vorsorgeuntersuchung habe ich das erste Mal von Endometriose gehört. Meine damalige Ärztin hatte mir noch nicht die Diagnose Endometriose gegeben, aber sie hat sie in Aussicht gestellt. Sie meinte, erst nach einer Operation kann mit Sicherheit die Diagnose gestellt werden. Sie hat mir einige Broschüren und eine Nummer für eine Klinik gegeben, wo ich die Zyste noch einmal untersuchen lassen soll und sie später auch operativ entfernen lassen könnte.

Ich bin mit einem Ultraschallbild der Zyste nach Hause und hatte erstmal einen kleinen Schock. Eine mögliche Operation machte mir Angst, aber besonders Angst hatte ich vor der Zyste, denn sie würde weiter wachsen.

Ich las all die Broschüren, die mir die Ärztin mitgegeben hatte, ich durchforstete das Internet und las alles, was ich finden konnte. Und endlich war ich total erleichtert. Denn ich hatte endlich eine Erklärung für all den ganzen Mist, den ich in den letzten 10 bis 15 Jahren durchgemacht hatte. Ich brauchte keine 100%ige Diagnose von meiner Ärztin, denn ich war bereits zu 1000 % sicher, dass ich Endometriose hatte.

Einige Wochen später bin ich zur Untersuchung in die Klinik. Dort wurde festgestellt, dass die Zyste weiter gewachsen ist und tatsächlich operativ entfernt werden musste. Der Arzt hat mich aufgeklärt, dass die Operation minimalinvasiv erfolgen und ich lediglich kleine Narben davon tragen würde. Er hat mir den Vorgang der OP erklärt und auch gesagt, dass ich schon am nächsten Tag wieder entlassen werden kann. Während der OP wollen sie sich auch den Bauchraum ansehen und schauen, ob ich irgendwo Endometrioseherde habe.

Wenige Wochen später hatte ich bereits meinen Termin für die Operation. Ich hatte Angst, gerade weil es die erste OP für mich war, aber ich versuchte stark zu sein und habe nicht nach außen gezeigt, wie es in mir wirklich aussah. Bei der Narkose habe ich noch gescherzt, dass ich hoffe von blauen Elefanten zu träumen.

Als ich nach der OP aufwachte, musste ich Minuten lang weinen. Und ich meine wirklich weinen, mit schluchzen und nicht reden können. Die Schwester hat mich dabei doof angesehen und gefragt, warum ich denn so weine. Ich hatte selbst keine Ahnung und habe nur mit den Schultern gezuckt. Bis heute habe ich keine Erklärung dafür. Ich hatte keine Schmerzen, ich musste einfach weinen.

Etliche Minuten vergingen und als ich mich beruhigt hatte, habe ich dann gesehen, dass ich einen Beutel an meinem Körper hatte. Später wurde mir gesagt, dass sehr viele Herde überall in meinem Unterbauch gefunden wurden. An der Blase, am Darm, am Zwerchfell sogar am Becken wurden Herde gefunden. Mir wurde gesagt, dass sie alle entfernt haben, aber aufgrund der Menge mein Bauch noch gespült werden müsste, dass sich keine Verklebungen bilden. Das war ein Schock, aber es war auch endlich die Gewissheit und gleichzeitig kam auch Hoffnung auf.

Nach 2 Tagen wurde ich entlassen und bei jedem Blick in den Spiegel habe ich immer angefangen zu weinen. Das ging wochenlang so weiter. Sogar als ich bei meiner Ärztin zur Nachuntersuchung war, die Tränen flossen einfach nur. Erst als die blauen Flecken blass wurden und verschwanden habe ich aufgehört zu weinen. Zu dem Zeitpunkt war ich bereit alles zu tun, um nie wieder so eine Erfahrung machen zu müssen. Meine Frauenärztin hat mir daraufhin eine Pille verschrieben. Ich wollte nie wieder die Pille nehmen, doch habe ich nach der OP wieder damit angefangen.

Doch ich konnte die Pille nicht lange nehmen. Nach wenigen Wochen merkte ich bereits, dass ich mich selbst veränderte und das wollte ich nicht. Also habe ich sie einfach abgesetzt. Meine Ärztin hat darauf nicht gut reagiert. Mir war das so egal, auch was sie sagte oder was sie mir riet. Die einzige Lösung war Pille … Ich wollte aber keine Pille und keine verdammten Hormone. Ich habe zu sehr gelitten, als ich die Pille abgesetzt hatte und ich habe zu viel durchgemacht, um einen regelmäßigen Zyklus zu haben.

Ich habe mich nach Alternativen umgesehen und eine Gruppe gefunden, die Entspannungsübungen für Endometriose Betroffene angeboten haben. Es hatte sich angefühlt wie eine Selbsthilfegruppe und es hat mich überfordert. So viele Geschichten und so viele Meinungen. Ich bin nach dem einen Mal nicht wieder hin.

Ich habe das Internet weiter durchsucht und eine Heilpraktikerin gefunden, die auf Frauenheilkunde spezialisiert war.

Zu dem Zeitpunkt habe ich einfach alles versucht.

Ich habe einen Termin mit der Heilpraktikerin vereinbart und hatte eine tolle erste Behandlung. Ich habe mich dort endlich angenommen und verstanden gefühlt. Sie hat mir sehr geholfen mit dem, was nach der OP passiert war, umzugehen. Ich war ungefähr ein Jahr bei ihr in Behandlung und es hat mir körperlich vielleicht nicht viel geholfen, aber meine Psyche hat es unfassbar verändert.

Wie es mir heute mit der Endometriose geht und wie ich wegen der Erkrankung eine weitere OP über mich ergehen lassen musste, erfährst du im letzten Teil.

Ich möchte dir noch zwei Gedanken mitgeben.
1. Du weißt nie, was dein Gegenüber gerade durchmacht. Deswegen sollten wir alle auf den Umgang miteinander achten und stets bemüht sein nicht sofort zu verurteilen.
2. Mir fällt es schwer wirklich ehrlich zu anderen zu sein, wenn es um meine Gesundheit geht. Ich denke, andere wird es ähnlich gehen. Doch haben deine Liebsten verdient, dass du ehrlich mit ihnen bist. Du gibst ihnen so die Chance für dich da zu sein und dir dein Leben schöner zu gestalten.

Ich wünsche dir einen schönen Tag

Von Herz zu Herz
Sandra

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